Die frühen Kelten


Reicher Kelte

Westhallstattkreis, Hallstatt D1/D2, um 550 v. Chr.

Die Zeichnung zeigt einen reichen Kelten in vollem Ornat und
seinen persönlichen Dingen, wie er an der Wende von Hallstatt
D1 zu D2, also etwa um 550 v. Chr. in der Nähe des heutigen
Stuttgarts beigesetzt wurde. Seine Grabbeigaben waren
ungewöhnlich umfangreich. Sie umfassten einen vierrädrigen
Wagen, eine Kline (Sofa) aus Bronze und einen 600 l
fassenden Bronzekessel.

Er trägt einen runden, spitzkonischen Sonnenhut aus
Birkenrinde. Der Mantel aus Wolle wird rechts mit einer oder
zwei Schlangenfibeln zusammengehalten. Die Tunika, wieder
aus Wolle oder Leinen, fällt über ein Paar wollener Hosen.
Am breiten Ledergürtel mit großem verziertem Gürtelhaken
aus Bronzeblech trägt der Kelte ein wichtiges Statusabzeichen,
einen aufwendig gearbeiteten und verzierten Dolch. Diese
Dolche sind das Symbol des reichen Kelten des
Westhallstattkreises schlechthin. Sie sind alle Einzelstücke,
kein Dolch ist mit dem anderen identisch.

Als Schmuck trägt er links einen bronzenen Armreif,
um den Hals einen bronzenen Reif. Diese Halsreifen (torques)
werden oft als der klassische Schmuck des keltischen Kriegers gesehen. Allerdings stammen acht von zehn Funden aus Frauengräbern.

Als Waffen verfügt er über eine Lanze und einen Speer, sowie über Pfeile, Köcher und Bogen. Der Köcher wird mit einem Deckel verschlossen. Daraus kann erschlossen werden, dass die Pfeile nicht länger als 60 cm waren. Dies bedeutet eine relativ kurze Auszugslänge des Bogens. Deshalb wird er einen Reiterbogen (modern: Recurve) benutzt haben. Ein entsprechender Fund liegt von einem etwa 100 Jahre jüngeren Grab vor (siehe Figur 6). Keine seiner Waffen sind Kampfwaffen, sondern Jagdausstattung. Wildschweine oder Hirsche wurden vermutlich vom Pferderücken aus mit dem Speer oder der Lanze gejagt. Die gefundenen Pfeilspitzen sind alle breitschneidend und mit Widerhaken versehen, also typische Jagdspitzen. Außerdem passen in den Köcher höchstens 25 – 30 Pfeile. Für den Krieg wäre erstens mit einem Köcher größerem Fassungsvermögens und zweitens mit schmalen, auch panzerbrechenden, Spitzen zu rechnen.

Die Ausstattung zeigt eine Schwierigkeit bei der Beschreibung früher keltischer Krieger: Die Beigaben an Waffen sind in aller Regel Statussymbole oder vermutlich Jagdwaffen. Was im Übrigen völlig fehlt, ist jeder Hinweis auf Waffenwirkung. Keines der hunderte bisher gefundenen frühkeltischen Skelette zeigt den geringsten Hinweis auf Verletzungen durch Waffen. Selbst bei einem theoretisch möglichen anderen Grabbrauch für im Kampf Gefallene fehlen irgendwelche Hinweise auf verheilte Kampfverletzungen bei den regulär Bestatteten.

Recherche, Konzept, Zeichnungen:
Hans Trauner, Thomas Trauner, Bernhard Mayer
Copyright 2003 Naturhistorisches Museum Nürnberg
Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg e.V.
Abteilung Vorgeschichte

 

 

© Der Salzherr von Hallstatt
www.hallstattzeit.de


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