Die frühen Kelten

Krieger, Hessen, La-Tène-A, ca. 450 – 400 v. Chr.

Am Ende der Hallstattzeit (D 3) etwa ab 480 v. Chr. zeigt sich
ein Formenwandel in der Kunst der Kelten. Geometrische
Muster auf Keramik und Zierelemente im Schmuck werden
langsam durch einen Stil ersetzt, der sich an pflanzlichen,
ovalen und runden Motiven orientiert. Der Zirkel wird das
Hauptinstrument des Schmuckherstellers. Die Kelten werden
hier deutlich von südalpinen Entwicklungen beeinflusst.
Einige Funde wie zum Beispiel sogenannte Schnabelkannen
stammen von den Ethruskern. Die Kelten kopieren
diese Dinge jedoch nicht einfach, sondern passen
sie ihrem eigenen Stil an und kommen schließlich ab
ca. 450 v. Chr. zu ihrem eigenen, unverwechselbaren Stil,
dem sogenannten La-Tène-Stil. Namensgebend ist ein Fundort
aus der Schweiz.

Farbtafel 5 zeigt einen keltischen Krieger, dessen
Erscheinungsbild bislang kaum mit dem Begriff "keltisch"
verbunden worden wäre. Vorbild ist eine Stele (Statue), die zu
einem großen Grabhügel am Glauberg (Hessen) gehörte sowie eine
Darstellung auf einer Schnabelkanne aus dem selben Fundkomplex.
Der Mann trägt einen Bronzehelm vom Typ "Berru"
typisch für die Zeit von 450 – 400 v. Chr. Funde
liegen z.B. aus dem Salzburger Land vor. Ebenso typisch sind sein Speer und seine Lanze und das sich aus dem hallstattzeitlichen Dolch entwickelte, relativ kurze Stichschwert. Was für einen Kelten jedoch überrascht, ist sein Leinenpanzer. Dieser folgt zwar grundsätzlich den griechischen Vorbildern rund um das Mittelmeer, unterscheidet sich aber in einigen Details. So wird nur eine Reihe Pteryges (wörtlich: "Federn") am unteren Rand des Panzers getragen. Bislang nur in keltischen Zusammenhängen findet sich jedoch die auf der Zeichnung nicht sichtbare Verstärkung des Rückenschutzes mit einer zusätzlichen, rechteckigen Leinenbahn. Nachdem dieser Fund in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gemacht wurde, können altbekannte Darstellungen keltischer Krieger (verzierte Schwertscheide von Hallstatt, Stelen aus Frankreich) nun eindeutig als Krieger mit "griechischem" Leinenpanzer interpretiert werden.

Eigentlich sollte eine solche neue Interpretation nicht überraschen. Waffen waren Handelsgut, jeder versuchte, seine Ausstattung so modern wie möglich zu halten. Lediglich unser eigenes tradiertes Bild der Kelten verhinderte bislang eine solche denkbare Möglichkeit.

Die Darstellung folgt der Stele aus Hessen auch insofern, als keine weitere Unterkleidung gezeigt wird. Denkbar ist eine solche, die dann aus Tunika, Hosen und Mantel besteht.

Recherche, Konzept, Zeichnungen:
Hans Trauner, Thomas Trauner, Bernhard Mayer
Copyright 2003 Naturhistorisches Museum Nürnberg
Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg e.V.
Abteilung Vorgeschichte

 

 

© Der Salzherr von Hallstatt
www.hallstattzeit.de


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