Die frühe Eisenzeit

Neue Werkstoffe und Arbeitstechniken
Die Bronze blieb in Europa bis in die Urnenfelderzeit (um 800 v.Chr.) der wichtigste Werkstoff.
Erst in der späten Urnenfelderzeit war man technisch in der Lage, eiserne Messer-und Schwertklingen zu schmieden.
Die entscheidenden Vorteile des neuen Metall, war die überlegene Härte sowie die im Vergleich zu den raren Kupfer und Zinnvorkommen erheblich leichtere Verfügbarkeit der Erze.
Der dadurch ausgelöste kulturelle Wandel war sehr tiefgreifend die Kupfer-und Zinnlagerstätten verloren an Bedeutung, Handelsrouten versiegen oder verlagerten sich, neue Handwerkszweige erblühten, das wirtschaftliche und das soziale Gefüge richtet sich nach den neuen Schwerpunkten aus.
In der frühen Hallstattzeit kommt es zu neuen Techniken wie das Hartlöten von Eisen mittels Kupfer oder Bronze.
Eine weitere, neue Errungenschaft war die Drehbank, deren charakteristische Bearbeitungsspuren sich auf den Werkstücken widerfinden.

Eine neue Epoche war angebrochen, die “Hallstattzeit”
Als Leitfunde der älteren Hallstattzeit können vorweg die Schwerter aus Bronze und Eisen angesehen werden, darüber hinaus sind vorallem Pferdegeschirr und Wagenteile sowie Toilettbestecke und Bronzegefäße anzuschließen.

Der Kunststil der Hallstattzeit wird oft auch als geometrisch bezeichnet.
Der Hallstattzeitliche Fundstoff stammt in der Hauptsache aus Gräbern und von Wohnstellen.
Horte sind kaum bekannt, die Zahl der Moor-und Gewässerfunde sowie der Einzeldeponien erscheint stark reduziert.

Mitologie
Mangels schriftlicher und bildlicher Quellen ist die Möglichkeit der Erfassung religiöser Praktiken und Kulturvorstellungen des hallstattzeitlichen Menschen äußerst eingeschränkt.
Aus denselben Gründen bleiben die Namen der verehrten Gottheiten wohl für immer unbekannt.
Ein generelles Problem ist die grundsätzliche Beurteilung eines archäologischen Befundes als “Profan” oder “Kultisch”.
Vielmehr wird altüberliefertes Brauchtum fortgeführt, dessen Wurzeln oftmals im Dunkeln liegen.
Einen schroffen Bruch erlebte besonders die Sitte der Deponierung metallener Sachgüter, deren rituellen Höhepunkt in der Urnenfelderzeit erreicht wurde.
 

oben: Situla Italien ,Bologna, Certosa.

links und oben: Prunkschale aus Keramik (Durchmesser 36,7 cm) mit hallstattzeitlich typischen Geometrischen Muster, Bayern, Oberpfalz, Schwandorf, Dietldorf, C1b/C2.

Und so tut sich die Wissenschaft auch mit den "Fürstensitzen" schwer, Saß hier der Fürst?
Auf dem am besten erforschten Fürstensitz, der Heuneburg, hat man keinen Palast gefunden.
Hat der Fürst nicht in der Höhensiedlung residiert, sondern im suburbium, der Burgsiedlung am Fuße?
Oder wohnte er in einem separaten Herrenhof, wie man es für den Ipf vermutet?
Bei jüngsten Prospektionen auf dem Mont Lassois, ist dagegen ein dreißig Meter langes Bauwerk erkannt worden.
Macht und Reichtum der Oberschicht gründet sich auf Besitz von wirtschaftlichen Ressourcen und Rohstoffquellen sowie auf die Kontrolle des ausgedehnten Handels mit Waren aller Art (Hallstatt in Oberösterreich das Salz zb.).

Situlenkunst
Sehr anschaulich ist die szenische Darstellung der Situlenkunst der späten Hallstattzeit.
Die kunstvollen Metalltreibarbeiten mit figürlichen Motiven, die sich vornehmlich auf Situlen, kleine Henkeleimern finden, aber auch auf Gürtelblechen und anderen Bronzegefäßen.
Die Verarbeitung dieser Kunstwerke konzentriert sich hauptsächlich auf den Osthallstattkreis.
Das Bildmotiv bildet das zeremonielle festliche Gelage, dessen detailfreudigen Abbilder der Hallstättischen Wirklichkeit widerspiegelt, daß man heute ohne weiteres die Fülle an real überlieferten Fundstücken identifiziert werden kann

oben: Bronzener Henkeleimer sogenante “Situla” mit figürlichen Motiven.

k

oben: Alter Grabungsbericht mit Schnitt und Draufsicht eines “Fürstengrabhügel”, bei Uttendorf im Maltigthale.

Allgemein

oben: Das sogenannte “ Heidentor “ aus Felsgestein diente während der Späthallstatt - und Frühlatenezeit als Opferplatz. Egersheim, Kreis Tuttlingen, Baden Württemberg

Dafür erlebten Opferriten in der Hallstattzeit ihren Höhepunkt.
Kultmahle waren üblich, in deren Verlauf Menschen und Tiere geopfert wurden.
Was im einzelnen geschah, ist nicht bekannt und sicher waren die Riten an einzelnen Kultorten unterschiedlich.
In Dutzenden von Felsspalten und Schachthöhlen aber wurden vermengt mit Tierknochen die Gebeine von meist jungen Menschen gefunden, die geopfert worden waren.
Feuerplätze mit Keramik- und Getreideresten deuten auf Kultmahle hin.
Freilich gibt es Ausnahmen und regionale Abweichungen.
Die Jenseitsvorstellung sind eng in das religiöse Denken eingebunden.
Art und Umfang der Beigabenausstattung sind bestimmt für das weiterleben in einer Jenseitigen Welt.
So sind die umfangreichen Geschirrsätze als Grundausstattung für rituelle Gastmähler anzusehen, die dem Verstorbenen eine standesgemäße jenseitige Existenz ermöglichen sollten.
Unentbehrlich sind die statusdefinierenden Besitztümer wie Waffen, Schmuck und andere Prestigegüter.
Wesentlich ist dabei deren symbolischer Gehalt, weniger ihr reale Funktionstüchtigkeit oder Vollständigkeit.
So genügen einzelne Wagenteile oder Trensen, um als Teil des Ganzen, den sozialen Rang des toten zu dokumentieren.
Auch die Zerstörung der Beigaben durch den Scheiterhaufen für eine profane Nutzung nach dem Tod war verzichtbar.
Aus dem östlichen Hallstattkreis kennt man beispielsweise zahlreiche Grabfunde mit Schutzwaffen, vorrangig Helmen, aber auch Panzern, während diese Gattung im Westen völlig ausbleibt.
Das heißt nicht, daß sie dort unbekannt war, sondern daß sie eben festgelegtem Totenbrauchtum einfach nicht in die Grabausstattung kam.

© Der Salzherr von Hallstatt
www.hallstattzeit.de

links: Rekonstruktion eines ostalpinen Reiterkrieger der sozialen Elite, nach Funden aus Panzergräbern um 650 v.Chr.

Auffälligste Neuerung im Fundbild sind das Auftreten von Waffen und Gerätschaften aus Eisen und die Körperbestattung in überhügelten Kammergräbern.
Gräber und allgemeiner Beigabenreichtum belegen insgesamt einen Güterzuwachs und das Fortbestehen der spätbronzezeitlichen Sozialstruktur.
Im Totenritual bestanden Brand-und Erdbestattung nebeneinander, wobei der Hügel vorherrschendes Prinzip in der Grabarchitektur wurde.
Die Hallstattkultur stellt weder zeitlich noch geographisch eine gleiche Einheit dar.
Differenzierungsmöglichkeiten bietet die Keramik, während Metallformen über große Räume typengleich verbreitet sind.

Die soziale Elite, der “Fürst”
Aufgrund der aufwendig Prunkvollen Bestattungsweise unter riesigen Erdhügeln und wegen der sehr kostbaren Grabbeigaben hat man schon bald von Fürstengräbern gesprochen.
"Fürst" ist ein mittelalterlicher Begriff, der natürlich in der Prähistorie mit etwas anderen Inhalten versehen werden muss.
Darauf haben Wissenschaftler schon früh aufmerksam gemacht, doch hat sich diese "bewährte Definition" bis heute gehalten. 
Die soziale Elite ist eine der wichtigsten Erscheinungen der Hallstattkultur.
Eingebürgert haben sich die Begriffe ”Krieger”, “Salzherren”, “Schwertaristokratie”, “Reiterkrieger”, und “Fürstengrab”.