Der beschauliche Marktflecken Hallstatt liegt abgeschieden am Westufer des von bewaldeten Steilhängen und
hohen Bergen umgebenen Hallstätter See.
Die enorme Bedeutung des Fundplatzes Hallstatt für die vorgeschichtliche Archäologie manifestiert sich am eindringlichsten in der Tatsache, dass dieser kleine Markt einer ganzen Epoche, der
älteren Eisenzeit, seinen Namen gegeben hat.
Die Begriffe Hallstattzeit und Hallstattkultur lassen sich aus der Vorgeschichtsforschung nicht mehr wegdenken. Die Bezeichnung war durchaus glücklich gewählt, denn Hallstatt liegt im
Grenzbereich zwischen zwei großen Kreisen der Hallstattkultur und verband damit den Ost-und Westhallstattkreis.
Vom Anfang an stand außer Zweifel, worauf der Reichtum in den Gräbern von Hallstatt begründet war, auf dem “Weißen Gold”
dem Salz. In der Vorzeit aber auch später bis in die Neuzeit war Salz nicht nur als Gewürz begehrt, sondern es war vorallem eines der wenigen verfügbaren Konservierungsmitteln.
Der Höhepunkt des vorgeschichtlichen Salz Abbaues wurde in
der Spätbronze-und der älteren Eisenzeit erreicht, als antike Bergleute Stollen mehrere hundert Meter tief in den Berg hinein vortrieben.
Der für die Epoche namengebende Friedhof liegt am Ausgang eines schwerzugänglichen Hochtals etwa
450 Meter über dem Hallstätter See.
Der Grund dafür war die Fülle an bronze-und eisenzeitlichen Funden in dem berühmten Salzbergwerk, ebenso wie in dem im Salzbergtal gelegenen Gräberfeld und den zugehörigen Siedlungen, zu Tage traten.

oben: Originalzeichnung aus dem Grabungsprotokoll von J.G. Ramsauer mit Grabungsbefunden aus dem Gräberfeld von Hallstatt.

oben: Hallstatt am Hallstättersee im Salzkammergut, oberhalb der Ortschaft erstreckt sich das enge Tal, in dem das namengebende Gräberfeld entdeckt wurde.

oben: Schwert aus
Eisen mit Griffschale
und Knauf aus Elfenbein
mit Bernsteineinlagen,
Oberösterreich
Hallstatt, Grab 573, C2.
Der Ort Hallstatt der einer ganzen Epoche den Namen gegeben hat
Hallstatt in Oberösterreich
Es gibt in ganz Österreich keine archäologische Fundstelle, die so
prominent ist und mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit zu Teil wurde, wie dem Markt Hallstatt im Salzkammergut.
Der Friedhof von Hallstatt wurde vom frühen 7.bis in den Beginn des 4. Jahrhunderts belegt.
In der
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts tauchen erste Grabfunde auf, und in den Jahren 1846 bis 1863 ließ der Bergmeister Johann Georg Ramsauer das Gräberfeld planmäßig ausgraben und hielt seine Ausgrabungsergebnisse in einem für damalige Zeit
mustergültigen Grabungsprotokoll mit unzähligen Zeichnungen akribisch genau fest.
Insgesamt dokumentierte er in einem Gelände von ca, 9000 Quadratmetern nicht weniger als 980 eisenzeitliche Bestattungen, in denen knapp 20 000
Fundobjekte geborgen wurden.
Im stark geneigten Hang werden bis über 2000 Bestattungen vermutet die im kiesigen bis lehmigen Untergrund begraben sind.
Wegen Platzmangel im Salzbergtal wurden die Gräber dicht nebeneinander und
übereinander in den Boden eingebracht und auf die Anlage von Grabhügeln verzichtet.
Eine Besonderheit stellen die 121 Tonwannen von meist ovaler Form aus schlecht gebranntem Lehm, in ihr waren meist Brandbestattungen mit besonders
reichen Beigaben niedergelegt.
Häufig wurden Grababdeckungen aus groben Bruchsteinen beobachtet.
Brand-und Körperbestattungen waren gleichzeitig Brauch.
Bei der Einäscherung wurden die Toten an gesonderter Stelle verbrannt.
Die Asche wurde sorgfältig aufgelesen und auf die Grabsohle gehäufelt.
Schmuck, Trachtzubehör und Waffen fanden sich meist um oder auf der Asche, größere Beigaben wie Keramik- und Bronzegefässe waren darum gruppiert.
Urnenbestattungen sind nur wenige bekannt.
Die unverbrannnten Toten-in der Gesamtstatistik etwa 55 Prozent wurden in gestreckter Rückenlage mit Blick nach Osten beigesetzt.
Die unterschiedliche Bestattungsart scheint mit der
sozialen Stellung des Toten in Zusammenhang zu stehen, da es sich bei den reicher ausgestatteten Gräber fast ausschließlich um Brandbestattungen handelt.
Der Reichtum und die weitreichenden Beziehungen des frühen Hallstatt
manifestieren sich in beeindruckenderweise in den Gräbern dieser Elite, ein Viertel aller Bestatteten ist mit Waffen begraben worden.
Sämtliche Schwertgräber in Hallstatt waren reich ausgestattet, sie scheinen die Begräbnisse der
sozial führenden Schicht zu repräsentieren.
Einige Bestattungen sind sehr wahrscheinlich sogar Gräber von Fremden, die auf ihrer Reise nach Hallstatt verstarben und dort auch ihre letzte Ruhestätte fanden.
Hallstatt war ein großer Handelsplatz, wo Salz gegen andere Güter eingetauscht wurde.
Neben Waren wurden dabei an solchen “Treffpunkt” der Kulturen auch Gedanken und Ideen, wie technische, religiöse, politische und soziale Vorstellungen
usw. weitergegeben.
Das Europäische Ausmass dieser Kontakte lässt sich an den Schwertgriffen aus Hallstatt demonstrieren, die Angehörigen der Aristokratie ließen ihre Schwertgriffe mit Elfenbein und Bernstein verzieren.
Das
Elfenbein stammt aus Nordafrika oder dem Vorderen Orient und gelangte wohl über das etruskische Italien bis in die Ostalpen nach Hallstatt.
Aus der Gegenrichtung, dem baltischen Bereich im Norden, stammt der Bernstein, der in großen
Mengen in den Hallstätter Gräbern auftaucht.
Außerdem fanden sich in dem Gräberfeld von Hallstatt Helme und Glasgefässe aus Slowenien, eine Goldfibel von der südlichen Balkanhalbinsel, Streitäxte aus Ungarn, Dolchmesser und Fibeln aus
Venetien, Helme aus Mittelitalien, Gürtelhaken aus der Schweiz und Nadeln aus Polen oder Ostdeutschland, um nur einige der Importfunde zu benennen.
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